Im Laufe des letzten Jahres sind einige entscheidende Dinge geschehen, die die Arbeit von Sha‘ar laAdam – Bab l‘il Insan aus ihrem ruhigen Trott herausreißt. Viele Jahre lang haben wir jetzt treu die Theaterkurse veranstaltet, Feste und Tagungen durchgeführt, die Frauengruppe und verschiedene andere Aktivitäten hatten gute Zeiten und Zeiten, in denen die Aktivität auch wieder ruhte. Auf dem Ortsplan von Harduf haben wir inzwischen einen festen Platz. Aber dass das tatsächliche Bauen bald Wirklichkeit werden könnte, hat wohl seit einigen Jahren schon kaum noch jemand für realistisch gehalten. Die vielen Genehmigungen haben wir inzwischen ja bekommen, das Land, das Harduf uns überlassen hatte, ist seit 2002 der Stützpunkt mannigfaltiger Aktivitäten. Das Haus der Andacht, das ja das erste feste Haus sein soll, ist gut geplant.
Zuletzt hing alles an dem Bescheid der Landbehörde. In Israel ist das Land, das nicht in nicht-jüdischem Privatbesitz ist, durchweg Eigentum der Keren Kayemet leIsrael, des Jüdischen Nationalfonds. Hier muss jeder den Antrag auf Nutzung stellen, und je nachdem, ob das Vorhaben wirtschaftlich motiviert, privat oder gemeinnützig ist, ist mehr oder weniger Pacht für das Land zu bezahlen – ein Ermessensspielraum. Hier hatte man uns 2011 einen horrenden Preis abverlangen wollen – schließlich sollte das Ganze doch auch ein Tagungszentrum oder eine Art Hostel werden, also sei das doch wohl ein Wirtschaftsunternnehmen? Daraufhin war der Plan, so wie schon berichtet, aus dem Kibbuz-Verband auszusteigen und uns zu einer öffentlichen Einrichtung zu machen. Der Landrat der Region, Eyal Betzter, ist uns sehr wohlgesonnen. Davon riet uns dann aber der Anwalt ab, der die Anträge vorbereitete – wollen wir uns wirklich politisch abhängig machen von der momentanen Konstellation?

Temporäre Stromversorgung von Sha‘ar laAdam – Bab lil‘Insan

In diese Entwicklungen kam nun im letzten Herbst ein ganz neues Element, als sich die Jewish Agency, die Einwanderungsorganisation des Landes, die heute vor allem die Beziehungen zu den Juden in der Diaspora pflegt, an uns wandte. Ob wir Kurse anbieten könnten in inter-kulturellem Leben in Galiläa, Freiwilligenprogramme, jungen Menschen aus aller Welt Eindrücke von Israel vermitteln könnten, wie man sie sonst nicht bekommt? Die Jewish Agency steht normalerweise nicht in dem Verdacht, besonders am multikulturellen Charakter des Landes interessiert zu sein, und so waren wir zunächst nicht nur begeistert. Als wir aber verstanden, dass es darum geht, dass viele junge Juden aus Amerika oder anderen Ländern der Diaspora an herkömmlichen, eher national orientierten Programmen heute kein Interesse haben, wurden wir nachdenklich. Und nach einem längeren Hin und Her haben wir zugesagt. Das macht uns in den Augen der israelischen Öffentlichkeit solider, die Landbehörde hat uns sofort die Genehmigung ohne Pachtzahlung in Aussicht gestellt und die Jewish Agency selbst gibt uns einen Kredit, um die Bedingungen für die ersten Kurse herstellen zu können. Der Kibbuz Harduf hat zugesagt, uns das Land zu erschließen, das heißt die Anschlusskosten für Straße, Wasser und Strom zu tragen, die unseren Wald nun bald mit Harduf verbinden werden.
Nun sind wir gespannt, wie schnell das alles wirklich gehen wird. Aber ein Stein ist ins Rollen gekommen, und im Herbst sollen die ersten Kurse – mit parallelen israelischen Teilnehmern (arabischen und jüdischen) beginnen, die bei uns ein soziales Jahr ableisten. Wir hoffen bald auch junge Europäer entsenden zu können, die vielleicht im Rahmen eines freiwilligen Auslandsdienstes bei uns mitarbeiten können. Bis dahin ist noch viel Bürokratie zu erledigen… Aber es geht deutlich voran!

Ilse Wellershoff-Schuur

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