Ein Auslandssemester – was lernt man da?

von | 17. Apr. 2020 | Berichte, Freiwilligenarbeit, Rundbrief 23 (2020) | 0 Kommentare

Als fast vierzig junge Erwachsene aus der Midrasha und dem TEN Projekt zusammensaßen und den Kanon „Segne Vater“ sangen, den ich ihnen soeben beigebracht hatte, wusste ich dass mein Praxissemester in Sha’ar laAdam – Bab l’il Insan nun wirklich begonnen hatte. Das war vor knapp sieben Monaten und in der Zwischenzeit ist viel passiert.

Doch bevor ich mehr davon berichte, möchte ich mich zuerst einmal vorstellen. Ich bin Anna-Sophia Uhlrich, 24 Jahre alt, und studiere im 4. Semester „Musik- und bewegungsorientierte Soziale Arbeit“ in Regensburg.

2012 durfte ich die Begegnungsstätte zum ersten Mal kennenlernen. Dank Ilse Wellershoff-Schuur konnte ich am zweiten interkulturellen Theaterstück „Nathan der Weise“ mitwirken, das dreisprachig mit jüdischen und arabischen Jugendlichen aus Israel und Jugendlichen aus Überlingen einstudiert wurde. Als ich im Zuge dieses Projektes zum ersten Mal nach Sha’ar laAdam – Bab Lil’Insan kam, habe ich mich sofort in diesen Ort und in die Initiative verliebt.

Nun bin ich zum dritten Mal hier. Die Begegnungsstätte hat sich seit meinem ersten Aufenthalt sehr entwickelt. Wo damals nur einfache Zelte und Kompostklos zu finden waren, stehen heute kleine Gebäude und das Gelände ist belebt mit Menschen, die alle hier sind, um ihren Horizont zu erweitern, anderen Kulturen zu begegnen und sich selbst besser kennenzulernen.

Auch ich kam mit dieser Offenheit und Neugierde hierher, hatte jedoch keine Ahnung, was mich hinsichtlich meines Praktikums erwarten würde. Am Anfang war es auch nicht ganz leicht meinen Platz zu finden – es gab so viele Möglichkeiten, und da es keine feste Praktikantenstelle gab, durfte ich mir diese selbst erschaffen. Letztendlich legte ich meinen Schwerpunkt auf die Musik und fand viele Möglichkeiten die Begegnungsstätte musikalisch zu bereichern. Dies reichte von eingangs erwähnten spontanen gemeinsamen Singen bei Gruppentreffen, über Musik zum Feiern der Feste der verschiedenen Religionen und einem festetablierten Musik-Workshop mit den Projekt TEN Freiwilligen. Außerdem begann ich mit Chorarbeit zur musikalischen Begegnung der verschiedenen Gruppen, die in der Begegnungsstätte wohnen, und gab Geigenunterricht.

Besondere Höhepunkte der musikalischen Arbeit waren ein Konzertabend zu Sukkot, musikalische Beiträge zu Faiz’ und Fatmas Hochzeit, die Abschlussaufführung des Musik-Workshops und ein Benefizkonzert zum Abschluss meiner Zeit in Israel.
Zu meinen weiteren Aufgaben gehörten jedoch auch die Gebiete “Organisation” sprich Büroarbeit, Besuchergruppen beherbergen und als persönliches Highlight die Betreuung der Peace Week Gruppe, da sowohl Ilse als auch Faiz (die zwei Hauptorganisatoren) kurzfristig erkrankt waren.

Des Weiteren arbeitete ich in einem arabischen Waldorfkindergarten in Schefar’am, wo ich mich auch wieder musikalisch einbrachte, aber auch meinen zweiten Studienschwerpunkt „Bewegung“ in Form von Akrobatik, Balancieren und Bewegungsspielen einbringen konnte.

Zum Ende des TEN Projektes studierten wir das Theaterstück „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ein. Während ich einiges über Regie und Gruppenarbeit von den Regisseuren Lior Soibelman und Yaakov Arnan lernen konnte, durfte ich mich gleichzeitig eigenständig um die Musik für dieses wunderschöne Theaterstück kümmern, und so komponierte und experimentierte ich und studierte Lieder mit den Freiwilligen ein.

Mein Praxissemster in Sha’ar laAdam – Bab Lil’Insan hat mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr bereichert und ich bin der Begegnungsstätte sehr dankbar, dass sie mir diese wundervolle Gelegenheit geboten hat.

Anna-Sophia Uhlrich

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