Rückblick auf die Friedensübungswoche 2023

von | 2. Apr. 2024

Wie üblich begannen einige Teilnehmende mit ein paar Tagen in Jerusalem, an Hand derer wir lernen wollten, die Situation im Lande besser zu verstehen. Neben einem historischen Lehrpfad, dem Erlebnis des Yom Kippur in einem teilweise orthodox-geprägten Umfeld und der (teilweisen) Umrundung der Altstadt auf der Mauer sowie dem Wandeln auf urchristlichen Wegen gab es auch einen Besuch im Sufi-Zentrum von Abdulaziz Bukhari bei seiner Witwe.

Am Michaelitag war der Abend des Sukkotfestes, das wir in der sozialtherapeutischen Einrichtung und später in unserer »Sukka« in Sha’ar laAdam – Bab l’il Insan mit den Freiwilligen feierten.

Und dann begann das Programm, zu dem noch einige weitere Teilnehmende hinzukamen — aus Jerusalem, Ashdod, der näheren Umgebung und auch aus Deutschland und Russland. »Arbeit inmitten vieler junger Menschen aus vielen Ländern…« Insgesamt war es diesmal ein Kommen und Gehen, bei dem nur wenige Menschen alles mitmachen konnten, aber viele einzelne Tage oder Veranstaltungen. es ging um Resilienz in allen Arten von Krisen, und das »Übungsmaterial« waren die Nebenübungen, die Rudolf Steiner empfohlen hatte sowie das Gebet aus dem Beichtsakrament der Christengemeinschaft. Seelisch gekräftigt wollten wir aus der Woche hervorgehen (»welch herzliches Gemeinschaftserleben inmitten schöner Natur…«), am 3. Oktober hieß es Abschied nehmen…

Die Israelis fuhren nach Hause, bzw. gingen wieder an die Arbeit, Ilse Wellershoff-Schuur flog mit Amin und Fatma Sawaed aus dem Beduinendorf El-Homeira nach Deutschland, wo sie erst an einem Teil der Tournee der Theaterschule, dann am Jubiläum in Oldenburg teilnehmen wollten. Einige Teilnehmende aus Deutschland wollten noch etwas bleiben…

Im Folgenden ein paar Stichworte von Renate Bruhn, einer deutschen Teilnehmerin, zu dem, was dann geschah:

»Am 3. 10. Fahrt nach Tel Aviv, endlich am Meer, ein Meer von Hochhäusern, elegant, dazwischen verkommene Geschäfte, an der gesamten Küste Badeverbot aus verschiedenen Gründen… Wir sind in einem POD Hotel gelandet, winzige Zimmer nach japanischem Vorbild, interessante Begegnungen mit den Hotelgästen und dem Personal, Familienatmosphäre

6.10. am Abend — auf den Strassen wünscht man sich »Shabbat Shalom«…

7.10. — um 7.30 Uhr gibt es plötzlich Luftalarm, ein Raketeneinschlag irgendwo, alles eilt in den Luftschutzkeller, z.T. aus dem Bett, aus der Dusche, der Keller ist eng. Sonst wissen wir erstmal noch nichts, sind der Fremdsprachen nicht so recht mächtig, haben kein Smartphone…

Alles in der Stadt ist geschlossen, kein Bus fährt, Berichte vom Massaker dringen langsam auch zu uns durch…,
Statt Museumsbesuch: Spaziergang durch den schönen Rockefellerpark…

Angst? Nein…

Jetzt menschenleerer Strand, träumt vor sich hin… Silhouette von Jaffa ebenfalls
Helikopter fliegen pausenlos… friedliche Wellen, Sonnenschein
In der ferne pausenlose Detonationen, Tod und Zerstörung
Unser Hotel wird geschlossen, Umzug in ein größeres, in den 8. Stock…

Herrliche Morgenstimmung über der Stadt…

Absage aller Flüge von unserer Fluggesellschaft, auch anderer, Lufthansa Hotline ist überlastet, »vielleicht fliegen wir noch irgendwann mal, aber wann?«

Im Hotel Ankunft der evakuierten Familien, unsichere, ängstliche Gesichter. Was haben sie erlebt?
Wann können wir nach Hause? Alle Optionen, die aufscheinen, sind gleich wieder weg…

Abgefangene Raketen hinterlassen Wölkchen am Himmel,
wir müssen auch dieses Hotel verlassen, ziehen in ein Hostel,
stellen Koffer ab…

Anruf vom Flughafen, in 45 min geht der Heimflug!
noch 3x Alarm am Flughafen, Abflug 2 Stunden Verzögerung

Endlich Heimflug mit der Bundeswehr, nachts und kalt.
Diesen Urlaub vergißt man nie!

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Weitere Beiträge

Geplante Reiseaktivitäten …

… gibt es zur Zeit natürlich nicht, solange eine Reisewarnung besteht. Die Welt wird nie wieder sein wie vorher, aber trotzdem hoffen wir, dass es sich auch nach dem Krieg lohnen wird, unsere Arbeit auch vor Ort kennenzulernen. Schauen Sie doch regelmäßig auf unserer...

mehr lesen

Neue Bürgermeisterin

Am Ende der Friedensübungswoche durften wir sie noch als Kandidatin kennenlernen, die Nachfolgerin des langjährigen Bezirksbürgermeisters Eyal Betzer, der in den Ruhestand gehen wollte, und dann nach Ausbruch des Krieges doch noch ein Weilchen weitermachen musste,...

mehr lesen

Masaha in Zeiten des Krieges

»Masaha«, (arab.: Raum, Fläche) das kleine psychiatrische Krankenhaus im Sawa’ed-Dorf El-Homeira, ist eine alternative stationäre Behandlungsmöglichkeit für arabisch-sprachige Menschen, die einen Ort brauchen, an dem sie in Ruhe und ohne Druck ihre Krankheit angehen...

mehr lesen

Alternativ können Sie auch direkt auf unser Konto spenden:

GLS BANK | IBAN: DE14 4306 0967 0043 5266 00 | BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Adresse für Zuwendungsbescheinigung
Spenden AGB

Ihre Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihre Anmeldung war erfolgreich.

Newsletter

Melden Sie sich zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in unserem Newsletter abbestellen. Wir verwenden als Plattform zu Datenverarbeitung. Wenn Sie das Formular ausfüllen und absenden, bestätigen Sie, dass die von Ihnen angegebenen Informationen an Sendinblue zur Bearbeitung gemäß den Nutzungsbedingungen übertragen werden.