Zwei Monate vor der Israelreise lernte ich Johann Schuur auf einer Tagung in Kassel kennen und hörte zum ersten Mal von dem Verein und von dem Lager in diesem Jahr. Schon während er mir davon erzählte, nahm ich mir vor, meine ganzen Sommerpläne über den Haufen zu werfen und mitzufahren. Ich nahm sofort Kontakt zu Ilse Wellershoff-Schuur auf, und so konnte ich diese beeindruckende Zeit dort miterleben.
Die als Jugendlager geplante Fahrt bestand aus einer sehr bunt gemischten Gruppe von 20 Teilnehmern zwischen 3 und 46 Jahren, hauptsächlich aus Hannover und Oldenburg, die für 19 Tage nach Israel flogen. Ich war zu Beginn etwas skeptisch, dass auch eine Familie aus Dortmund mitfuhr, da ich bislang nur Erfahrungen mit reinen Jugendlagern gemacht hatte. Und so war ich sehr positiv überrascht, dass es trotz der Alters- und Interessenunterschiede eine sehr harmonische Zeit war. Eine weitere Besonderheit war, dass der Norweger Adrian für seine Schule eine Art Jahresarbeit über das Leben von Palästinensern in den besetzten Gebieten machen wollte, also mit einem ganz anderen Ansatz mitfuhr als die meisten von uns.
Wie im letzten Jahr gab es für uns kein größeres Projekt in Harduf, sodass wir morgens meist Gebäude der Schule innen sowie außen strichen, lasierten und Tische abschliffen. Was jedoch für die nächsten Jahre entstand, ist eine Tischerhöhung, sodass der Altar jetzt nicht mehr Schultischhöhe hat. Erst ganz zum Schluss unseres Aufenthalts in Harduf konnten wir in Sha’ar la Adam ein paar Tage „Steine hauen“, um den Boden zu ebnen und alte Projekte durch erneute Oberflächenbehandlung instand zu halten.
Die Ausflüge nach Akko, an den See Genezareth, zu den Jordanquellen, zu einer Wadiwanderung in die Golanhöhen und ans Meer waren wohl ähnlich wie in den Jahren zuvor und beeindruckten mich in unterschiedlichster Hinsicht sehr.
Einen Ausflug möchte ich besonders hervorheben, da er mich stark beschäftigte. Wir fuhren einen Tag in die Westbank, um uns mit Menschen aus dem besetzten Gebiet zu treffen und zu unterhalten. Vor Ort stellte sich heraus, dass es mehr Kinder als Jugendliche waren, was ich eher positiv empfand. Ich habe selten so fröhliche, freie Kinder erlebt. Die Aussage einer Jugendlichen, die sehr zuversichtlich von einem Zusammenleben zwischen Israelis und Palästinensern sprach, überraschte mich sehr, da ich zuvor von großem Hass der Palästinenser den Israelis gegenüber ausgegangen war. Mich erschütterte jedoch, dass ihr größter Wunsch war, zu studieren. Dieses für sie höchste Ziel ist für uns etwas ganz Alltägliches, doch in jenem Gebiet ist schon der tägliche Schulunterricht z. B. durch Straßensperren nicht immer gewährleistet.
Das abendliche Besuchen und Besuchtwerden von Menschen aus der Umgebung war ein wichtiger Bestandteil der Zeit in Harduf. Hier hatte man die sonst so seltene Gelegenheit, sich wirklich in die Lage der dort lebenden Menschen zu versetzen – oder es zumindest zu versuchen. Die letzten Tage in Jerusalem waren ein krönender Abschluss der Fahrt. Es ist wirklich beeindruckend, etwa den ca. zweitausend Jahre alten Olivenbäumen im Garten Gethsemane gegenüberzustehen. Auch der Markt (Shuk) war ein spannendes Erlebnis, auf das ich mich schon im Voraus sehr gefreut hatte. Diese Stadt, geprägt von vier Vierteln, drei unterschiedlichen Religionen und vielen heiligen Orten, ist so beeindruckend, dass die wenigen Tage gar nicht ausreichten, um einen tieferen Einblick zu bekommen.
Allein durch die Bekannten von Ilse und die mit der Zeit gewachsenen Freundschaften war die Zeit in Israel geprägt von vielseitigen Erlebnissen, die wohl nicht mit einer privaten Reise in ein fremdes Land zu vergleichen sind. Abschließend möchte ich sagen, dass ich jetzt genauso von den Israel-Lagern schwärmen kann, wie mir auf dem Vortreffen vorgeschwärmt wurde.
Von Dorothea Wendel





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