Ein Tag in Beit Elisha mit den „Meschik Chrei“

von | 7. Nov. 2022 | Berichte, Freiwilligenarbeit | 0 Kommentare

Sonntags und Mittwochs arbeiten wir als Freiwillige in unterschiedlichen Workshops in Beit Elisha, einer Einrichtung für Menschen mit Assistenzbedarf. Jeden Wochentag besuchen die Chaverim (Hebräisch für ‚Freunde‘; und Name der Bewohner von Beit Elisha) einen von sechs Workshops. Das Angebot erstreckt sich über unterschiedlichste Arbeitsbereiche. Je nachdem was die Bewohner brauchen, werden sie in den Workshops platziert. Muss beispielsweise jemand überschüssige Energie loswerden, landet er vermutlich bei mir, im „Meschik Chrei“-Workshop.
„Meschik Chrei“ ist Hebräisch und bedeutet im deutschen „Kleintiere“. Der Alltag dort ist sehr abwechslungsreich gestaltet, was unter anderem mit der Vielfalt der Tiere zu tun hat, die täglich gepflegt und versorgt werden müssen. Wir beherbergen Ziegen, Meerschweinchen, Kaninchen, zahlreiches Federvieh, sowie ein Pony und einen Esel.

Jeden Sonntag treffen sich alle Chaverim um acht Uhr dreißig zu einem Morgenkreis. Nach ein paar Worten zur bevorstehenden Woche und einem gemeinsamen Lied, helfen wir als Freiwillige, die Chaverim zu sammeln und sie auf dem Weg zum Workshop zu begleiten.
Sobald wir an den Ställen angekommen sind, beginnen wir diese zu misten. Wir fahren den Mist dann mit Schubkarren m auf einen großen Kompost. Pro Stall sind im Durchschnitt 3 Schubkarren voll Mist, auf den großen Kompost zu bringen. Danach beginnen wir, die Ställe zu reinigen.
Die Chaverim sind jeweils fest für bestimmte Ställe und Aufgaben eingeteilt, mit denen sie sich fünf Tage die Woche auseinandersetzen.

Mittwochs gibt es zusätzlich einen Balance-Parkour, den die Chaverim absolvieren. Während einige gar keine Probleme dabei haben, benötigen andere mehr Assistenz.

Die Arbeit ist physisch sehr anstrengend. Deshalb machenwir zwischendurch immer kleine Wasserpausen. Wird es mal zu viel, gibt es jederzeit die Möglichkeit ruhigeren Arbeiten nachzugehen. Meistens sind die Mitglieder der „meschik chrei“ jedoch sehr energiegeladen und haben einen hohes Mitteilungsbedürfnis. Daher haben wir zu Beginn der Frühstückspause um elf Uhr eine stille Minute. Im Anschluss essen wir den von uns zubereiteten Salat.
Da unser Workshop direkt neben dem Garten ist, werden uns täglich frischer Salat und Kräuter vom Gartenworkshop gebracht, die wir darin verarbeiten.
In der zweiten Hälfte des Tages steht ruhigere Arbeit an, da viele der Chaverim von der vorherigen Arbeit erschöpft sind. Häufig wird dann Fressen für die Tiere aus der Umgebung gesammelt und gefüttert. Die Ziegen werden ausgeführt oder das Pony und der Esel werden geputzt. Je nach Jahreszeit und Bedarf stehen auch andere Projekte und Aktivitäten an. Letzte Woche haben wir beispielsweise Oliven gepflückt und eingelegt.
Jeden Mittwoch bereiten die zwei israelischen Freiwilligen und ich zudem eine 30-minütige Sporteinheit für die Chaverim vor. Die beliebteste Aktivität ist mit Abstand das Fuballspielen. Dabei kommt einiges an Leidenschaft und Geschick zum Vorschein. Der Spaßfaktor ist für alle groß.
Um 13:00 Uhr beginnen wir, soweit alle Tiere mit Wasser und Futter versorgt sind, damit alles zu fegen und aufzuräumen. Ist das erledigt gehen wir gemeinsam zum Mittagessen.
Während wir auf das Essen warten, wird die Zeit für Unterhaltungen und das Lesen der Zeitung genutzt. Nach einem Tischgebet wird das Essen serviert. Mittlerweile wissen wir als Freiwillige genau wer etwas nicht mag und was wir sonst noch beachten müssen. Das beschleunigt den ganzen Vorgang der Essensausgabe
Nach dem Essen helfen wir beim Aufräumen. Sobald der letze Teller abgewaschen und der Boden sauber ist, heißt es für uns Feierabend.
Die Arbeit mit dem „meschik chrei“ macht unglaublich viel Spaß und ist zudem sehr erfüllend. Auch die Sprachhürde ist kleiner als ich es erwartet hätte. Einige Chaverim sprechen englisch und haben sogar Spaß daran deutsch und weitere Sprachen zu lernen. Meistens wird aber schon noch in Hebräisch gesprochen, was aber auch kein großes Problem darstellt, da man andere Wege zum Kommunizieren findet. Hinzu kommt, dass die Chaverim sehr geduldig und fleißig darin sind uns Hebräisch näher zu bringen.
Innerhalb von zwei Monaten habe ich mir schon ein kleines Vokabular angeeignet, was stetig wächst, genauso wie die Bindung zu den Chaverim. Ich bin jedes Mal aufs neue von der herzlichen aufgeschlossen Art der Chaverim begeistert, was die Vorfreude auf den bevorstehenden Tag steigert. Man lernt jeden Tag Neues über die Menschen dort, die Natur und sich selbst. Ich bin wirklich dankbar Teil eines so besonderen Projektes sein zu dürfen.

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