Biografie erzählen international – Bericht unserer Freiwilligendienstleistenden

von | 26. Apr. 2018 | Berichte, Freiwilligenarbeit, Rundbrief 21 (2018) | 0 Kommentare

Ein besonders wertvolles Erlebnis des Freiwilligendienstes in Sha’ar laAdam — Bab l’il Insan ist die Arbeit an der Biografie. Da wir gemeinsam mit den Freiwilligen des Project TEN-Programmes leben und arbeiten, ist das Gemeinschaftsleben ein großer Bestandteil des Programms. Neben etlichen Zirkeln und tiefen Gesprächen soll jede/r Freiwillige einmal im Laufe des Programms seine Biografie erzählen: So viel und so ehrlich wie möglich über dein Leben berichten, alles was du selbst für wichtig hältst, um den anderen ein Bild deines Lebens zu malen und verständlich zu machen, weshalb du bist, wie du bist, tust, was du tust und denkst, wie du denkst. Nach der Biografie sagt jede/r der Gruppe etwas, das er/sie an deinem Leben wertschätzt und etwas, das er/sie dir für dein weiteres Leben wünscht. Sowohl die Biografie der anderen zu hören, als auch die eigene Biografie zu erzählen, ist eine unvergleichlich wertvolle und hilfreiche Erfahrung fürs Leben.

Die Arbeit an der Biografie, die intensive Beschäftigung mit dem eigenen Leben, der Vergangenheit, beinahe vergessenen Ereignissen und Gedanken und Ansichten des früheren Ichs, schafft auf einmal Zusammenhänge, du findest Ursachen jetziger Ängste, Verhaltensweisen, Ansichten, in deiner Kindheit, plötzlich beginnt sich ein roter Faden durch dein eigenes Leben zu spannen und vieles ergibt Sinn. Es schafft Verständnis für uns selbst und lädt ein, sich selbst zu vergeben. Und nicht nur sich selbst, auch anderen.

Die Biografie und damit unglaublich persönliche Dinge, wie Gedanken und vergrabene Taten mit einer Gruppe von Menschen zu teilen, die man zudem nicht gut genug kennt, um im alltäglichen Leben jemals über solche Dinge zu sprechen, erfordert viel Mut und Überwindung. Aber diese Überwindung ist es wert. Eine Biografie zu erzählen, bedeutet sich verletzlich zu machen und Stricke loszulassen, an die man sich vielleicht gerne klammert. Aber es bedeutet auch, dass man die Möglichkeit bekommt die Wahrheit zu sagen und zu sehen, was passiert. Und zu sehen, dass man aufgefangen wird, wenn man loslässt, ist alle Aufregung und Überwindung wert.

Die Biografien schaffen ein tiefes Verständnis zwischen den Mitgliedern unserer Gruppe aus den verschiedensten Kulturen und das Gefühl, sein zu können, wie man ist, mit allen Schwierigkeiten, die das Leben für einen bereit hält.
Vielleicht sollte jeder Mensch gelegentlich eine Biografiestunde halten! 🙂

Yonit Ben-Yehuda mit Eva Pegel

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge

Über die Friedensübungswoche 2019

Es war ein kleines Unterfangen, aber doch wohl ein Erlebnis für alle Beteiligten. Cornelie Unger-Leistner schreibt darüber einen schönen Artikel auf der Online-Nachrichtenplattform NNA, der hier abgerufen werden kann. Die Journalistin hat auch mit einigen Teilnehmern...

mehr lesen

Rückblick einer Freiwilligen

Ein paar Tage vor der Abreise konnte ich es kaum glauben, ja sogar noch in Tel Aviv am Flughafen, wenige Minuten vor dem Abflug war es unwirklich: Mein Freiwilligendienst in Sha'ar laAdam - Bab l'il Insan war zuende. Die Minuten nach der Ankunft wieder in Deutschland...

mehr lesen

Alternativ können Sie auch direkt auf unser Konto spenden:

GLS BANK | IBAN: DE14 4306 0967 0043 5266 00 | BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Adresse für Zuwendungsbescheinigung
Spenden-AGB

Ihre Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuchen Sie es erneut.
Ihre Anmeldung war erfolgreich.

Newsletter

Melden Sie sich zu unserem Newsletter an, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in unserem Newsletter abbestellen. Wir verwenden als Plattform zu Datenverarbeitung. Wenn Sie das Formular ausfüllen und absenden, bestätigen Sie, dass die von Ihnen angegebenen Informationen an Sendinblue zur Bearbeitung gemäß den Nutzungsbedingungen übertragen werden.