Freiwilligendienst in der Begegnungsstätte – Der erste Bericht

von | 11. Mai. 2017 | Berichte, Freiwilligenarbeit, Rundbrief 20 (2017) | 0 Kommentare

Auszüge aus dem Blog-Tagebuch* unserer Freiwilligen Iduna Kreißl

Eine Woche bin ich jetzt hier und ich hab schon so viele neue Dinge erlebt. Mein Kopf ist gefüllt von Farbklecksern die zu Erinnerungen gehören. Für jede Farbe ein neuer Geruch, ein neuer Geschmack und für jede Farbe ein neuer Mensch. Da ich hier ein Jahr bleibe, muss ich wohl mein Farbspektrum erweitern.
Ich sitze hier mitten im Wald umgeben von Bäumen, Zelten und Hütten und schaue der Sonne dabei zu wie sie ihr Licht abgibt. Spüre unter meinen nackten Füßen die leichte Erde liegen und höre den Bäumen beim atmen zu.


Jetzt bin ich schon drei Wochen hier und kann langsam sagen, dass ich jeden Tag ein Stückchen mehr ankomme.
Ich gewöhne mich daran mit so vielen Menschen auf engstem Raum zu leben und versuche jeden von den Menschen hier besser kennen zu lernen.
Ich genieße das Leben im Wald und gewöhne mir an barfuß zu laufen.


Nun aber mal eine Kurzfassung über meine Arbeit, die einen Großteil meines Tages einnimmt, und die so wichtig ist:

Meine Woche ändert sich immer und ist sehr abwechslungsreich. Grundlegend sind für mich aber Sonntag, Montag und Donnerstag – Schultage. Dienstag ist Waldtag, und Mittwoch verbringen wir in Beit Elisha.

Wir sind in verschiedene Schulen aufgeteilt, und ich bin mit fünf anderen in der arabischen Grundschule in der arabischen Stadt Ka’abiyya und unterrichte dort Englisch. Die fangen dort in der 3.Klasse mit dem Englischunterricht an, und wir unterrichten die 3.,4. und 6. Klasse. Entweder sind wir in der ganzen Klasse dabei und helfen bei den Aufgaben oder wir bekommen einzelne Schüler oder Kleingruppen zugeteilt und bearbeiten die gestellten Aufgaben mit den Kindern zusammen.

In der Schule in Ka’abiyya – Abschlussvorstellung der Freiwilligen-Kohorte 2015

Die Schule selber ist total primitiv und fast schon ein bisschen trostlos. Ein Steingebäude mit Gittern vor den Fenstern und innen asphaltierter Boden. Stahlbänke zum sitzen und das Lehrerzimmer besteht aus einem Tisch, einem Waschbecken und kleinem Herd zum Kaffee kochen und Holzkisten, die als Fächer für die Lehrer dienen sollen. Die kleineren Kinder haben ihr Klassenzimmer draußen in einem Container, die größeren in den simplen Klassenräumen drinnen. Die Lehrerinnen sind sehr unterschiedlich angezogen. Von langem Gewand und Kopftuch bis Hautenge Jeans, High Heels und viel Schminke.
Einzige Bekleidungsvorschrift in der Schule ist Schultern und Knie bedeckt zu haben, was nun wirklich kein großer Aufwand ist. Ich kann problemlos mit meinem Kreuz um den Hals umherlaufen und Ich sein.

Für die Kinder ist es wichtig, dass wir da sind. Wir bringen ein Stück aus unseren Welten in ihre Welt und machen sie ein Stückchen bunter. Zeigen ihnen eine andere oder auch neue Vielfältigkeit. Und das ist schön und macht sehr viel Spaß, denn die Kinder sind so lieb und dankbar, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir zwar einer anderen Kultur angehören, aber trotzdem friedlich miteinander umgehen können. Und ich lerne selber jeden Tag so viel dazu, dass ich erfüllt bin von so viel guten Ereignissen.

Iduna bei der Arbeit…

Der Waldtag besteht darin, dass hier am Grundstück gearbeitet wird und neues aufgebaut wird. In den letzten Jahren hat sich die Begegnungsstätte schon extrem entwickelt, aber es gibt noch genügend zu tun und genügend Ideen, die verwirklicht werden wollen. Zudem ist auch einiges an Arbeit nötig um den Ort zu pflegen und zu erhalten.

Der Tag in Beit Elisha ist auch ein wichtiger Bestandteil. Beit Elisha ist die Einrichtung für Menschen mit besonderen Bedürfnissen, bestehend aus mehreren Häusern. Es gibt mehrere Workshops unter anderem eine Papierwerkstatt, Küche, Keramikwerkstatt, Stallarbeit und Gartenarbeit. Ich bin in der Gartenarbeit dabei, was ich sehr genieße, weil ich draußen arbeiten kann. In meinem Workshop sind bis zu 10 Menschen mit einer Behinderung und einige Co-worker. … Wir pflanzen unter anderem Kohlrabi und Salat und Brokkoli an und legen Bewässerungssysteme an. Der Tag mit den Menschen aus Beit Elisha ist die beste Möglichkeit Hebräisch zu lernen, denn einige von denen können auch Englisch und sind geduldig genug dir immer wieder die richtigen Wörter auf Hebräisch zu sagen. Ich lerne also an jeder Ecke etwas dazu.


Und plötzlich beginnt der Gesang der Muezzin. Erst von der einen, dann von der anderen Seite.

Welt wird still…
und lauscht.
Schallend hallt der Ruf wieder
und die Zeit verlangsamt ihre Schritte.
Schließe die Augen, um zu verstehen
und fange an zu lächeln, um nicht zu vergessen.
Die Gruppe der Freiwilligen in Nazareth…

„Und wenn du plözlich begreifst,
dass sich die andere Seite der Mauer
auch wie deine Heimat anfühlt,
weißt du, dass du zuhause angekommen bist.“

Die Gruppe der Freiwilligen bei einem Ausflug in Nazareth…

Iduna Kreißl


*Den Blog von Iduna finden Sie hier.

Anfang Mai gehörte Iduna Kreißl zu den Freiwilligendienstleistenden, die Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in Israel begegnen durften!

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