Als ich vor knapp fünf Jahren zum ersten Mal von der Begegnungsstätte Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan hörte, klang das Ganze nach einer wundervollen Idee, die für mich aber noch in weiter Ferne lag. Als ich vor einem knappen Jahr den Entschluss fasste, dass diese Begegnungsstelle genau der Ort sei, an dem ich mein Praktikum machen wollte, kam mir das Ganze noch immer eher wie eine fixe Idee vor, denn wie ein wirklich durchdachter Plan. Doch jetzt, ein knappes Jahr später, weiß ich: der Wald lebt! Die Initiative wächst und formt sich stetig und jeden Tag helfen viele Menschen mit, der Vision einen weiteren Schritt näher zu kommen.

Mit neuen und altbewährten Projekten verschiedenster Art, werden jeden Tag aufs Neue Realitäten geschaffen, die durch die gemeinsame Arbeit verbinden – über Herkunft, Sprache, Kultur und Religion hinweg! Das Theaterprojekt jüdischer und arabischer Jugendlicher ist im letzten Herbst wieder in eine neue Runde gestartet; die Studenten aus Harduf, die in den befestigten Zelten im unteren Bereich „des Waldes“ leben, bringen eine gewisse Kontinuität in das Leben in Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan. Und die Jugendgruppen, die immer wieder in den großen Gruppenzelten übernachten und in Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan ihre Freizeiten und Seminare abhalten, bestärken durch Bestätigung und neuen Schwung. Die verschiedenen Kohorten des Project TEN schließlich, von denen im letzten Rundbrief schon ein bisschen die Rede war, geben Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan eine Art konstante Internationalität. Durch ihre jeweils fünfmonatige Anwesenheit und die Arbeit in den Grundschulen der umliegenden arabischen Dörfer entsteht auch eine verlässliche Brücke zu den arabischen Gemeinden der Umgebung.

In den letzten fünf Monaten, während meines Praktikums in der Begegnungsstätte Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan, hatte ich das Glück, eine dieser Gruppen sehr intensiv kennenzulernen. Ich durfte ihre Arbeit in den Grundschulen begleiten, viele der Teilnehmer sehr intensiv und mitsamt ihrer Beweggründe und Motivationen kennenlernen. Vor allem aber konnte ich miterleben, wie ihre Zeit in Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan sie – und sicher auch mich selbst – verändert hat. Durch die ständige Reflektion der eigenen Person, aber auch die Beschäftigung mit größeren Zusammenhängen, beispielsweise der aktuellen Situation in Israel und wie es dazu kommen konnte, schienen mir viele einen anderen Umgang mit sich selbst zu entwickeln. Und auch in Bezug auf die Gemeinschaft, in der sie leben, schienen einige einen viel offeneren, verständnisvolleren und weitsichtigeren Blick zu bekommen.

In Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan treffen sich die Kulturen und Nationalitäten. Jüdische und arabische Israelis treffen hier auf junge Erwachsene aus aller Welt, und seit dem letzten Herbst auch auf junge Leute aus Deutschland, die hier einen Freiwilligendienst leisten. Die jüdische Kultur trifft auf die christlichen, und weitere Projekte, um auch arabische(-/ und) muslimische Jugendliche für längere Zeiten nach Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan zu bringen, sollen folgen. In einem neuen Projekt sollen – vielleicht sogar in dem kleinen Garten in Sha’ar laAdam – Bab li’lInsan – jüdische und arabische Frauen gemeinsam über die fast vergessene Heilkraft heimischer Pflanzen lernen. Und in ein paar Tagen wird zumindest die Sakristei des Andachtshauses fertig gestellt.

Auch an diesem Punkt geht es also langsam, aber sicher voran und so wird die Begegnungsstätte wohl auch in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren weiter wachsen und hoffentlich noch viele Menschen und Leben verändern – sehr zum Guten, wie ich finde.

Michaela Schubert, Studentin der Islamwissenschaft in Heidelberg

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