Stimmen der Teilnehmer zum Baucamp 2013

von | 6. Apr. 2014 | Baucamps, Berichte, Rundbrief 17 (2014) | 0 Kommentare

Auszug aus der Jahresarbeit (Projektarbeit 12. Klasse) von Fiona Pedersen aus Überlingen:

Rückblick auf das Baulager
Einige Antworten verschiedener Teilnehmer auf einen Fragebogen zur Auswertung der Reise:

Was war, auf dieser erlebnisreichen Tour, die schwerste Überwindung für dich?

  • Das soziale Zusammenleben, das Leben in der Gruppe, fiel mir anfangs noch sehr schwer, und für mich war es eine große Überwindung in die arabische Waldorfschule zu gehen und den Mut aufzubringen in einer völlig anderen Kultur mit einer mir fremden Sprache jüngere Schüler in Musik und Rhythmik zu unterrichten.
  • Eine große Überwindung für mich war es die Toiletten zu leeren. Auch war es manchmal sehr unangenehm sich bei dem warmen Wetter mit langen Klamotten zu verhüllen.
  • Die Begegnungen, das Zusammenkommen von vielen Menschen mit unterschiedlichen Arten und Gewohnheiten.

Was war dein schönstes Erlebnis?

  • Die Gruppendynamik, die Begegnungen, die leichten und manchmal erstaunlich tiefen Gespräche an unerwarteten Orten.
  • Der Moment als wir, die ganze Theatergruppe, kurz vor der großen Aufführung, im Kreis mit geschlossenen Augen und gehaltenen Händen standen, war sehr schön und ein sehr intensiver Augenblick. Man konnte die Energie, die in diesem Moment durch die Stille und die Kraft der Menschen, die alle miteinander verbunden waren, geradezu spüren.
  • Die Gemeinschaft, die entstanden ist, vor allem auch zwischen den Teilnehmern aus den verschiedenen Kulturen, war beglückend; und auch die Harmonie, mit der alle Aufgaben ergriffen wurden und die Arbeit sich fast wie von selbst erledigte…
  • Begegnung mit vielen interessanten Menschen auf unterschiedlichste Weise zu erleben, war mein schönstes Erlebnis.

Dein „Aha-Erlebnis“?

  • Mein Aha-Erlebnis und lehrreichstes Erlebnis war in Jerusalem. Ich war sehr erstaunt zu sehen, wie nah die verschiedenen Menschen unterschiedlichster Kulturen und Religionen wirklich nebeneinander, oder vielmehr aneinander vorbei leben. Es war auch schockierend zu sehen und zu spüren, wie gespannt die Situation dort ist, was man an Auseinandersetzungen, unter anderem durch Gewalt auf den Straßen, miterleben konnte. Auch wenn man schon viel über den Konflikt des Landes erfahren hat, bekommt man doch ein ganz anderes Verständnis dafür, wenn man selbst vor Ort war.
  • Dass die jungen Soldaten so offen waren und so nachdenklich und spirituell interessiert…
  • Mein „Aha“ Erlebnis war, dass das Leben in einer Gruppe sehr schön sein kann. Das gegenseitige Austauschen und unterstützen untereinander inspiriert und ermutigt den Menschen auf verschiedenste Weise und bildet Freundschaften.

Was ist/sind deine offene/n Frage/n?

  • Wie wird eine Gruppe von Individuen eine Gemeinschaft?
  • Wie geht es mit den Freundschaften, die entstanden sind, weiter? Wie entwickelt sich der Konflikt der hier lebenden Kulturen? Gibt es überhaupt eine Lösung? Religiöses Leben – Wie stark beeinflusst das die Gesellschaft? Woher wissen wir, ob etwas heilig ist, und ist es überhaupt relevant das zu wissen?
  • Meine offenen Fragen sind natürlich einerseits auf das ganze Land bezogen, wie es mit dem Konflikt weitergehen wird, und vor allem ob es endlich, zumindest anfänglich, Lösungen geben wird. Andererseits bin ich auch gespannt, wie sich unser Projekt in Zukunft weiterentwickelt.

Wie hat sich deine Sicht in Bezug auf dieses Land verändert?

  • Vor unserer Reise war meine Sicht auf das Land noch gar nicht so deutlich. Ich habe es mir aber größer vorgestellt, wobei man in der Wüste ein Gefühl von unendliche Weite erleben konnte. In manchen Städten gab es sehr viel Industrie, was verbunden mit der staubigen, dürren Landschaft drumherum manchmal sehr trostlos aussehen konnte. Im Gegensatz dazu gab es sehr prachtvolle und schöne Altstädte. Traurig war der Anblick des Toten Meeres, wie wenig Wasser es dort nur noch gibt. Ich habe es mir viel größer und weiter vorgestellt.
  • Jetzt nachdem ich dort war, sehe ich das Land mit ganz anderen Augen. Vorher war meine Meinung über Israel von den Medien beeinflusst. Ich versuche, beide Kulturen zu verstehen, und ich habe das Gefühl, dass durch diese Reise mein Verständnis für die Kulturen gewachsen ist.
  • Ich bin fasziniert von den Menschen und der Landschaft, was ich nicht erwartet hätte. Ich habe die Offenheit, die Hilfsbereitschaft und die Gastfreundschaft der Menschen, bewundert. In einem Land, von dem man durch die Medien sonst nur über schlimme Sachen hört, habe ich diese Qualitäten als eine Blume in der Wüste erlebt, die trotz allem blüht und Freude um sich verbreitet.

Wie denkst du jetzt über die Kulturen, die hier leben?

  • In Bezug auf die Kulturen ist mir vieles deutlicher geworden, allein daran, zu sehen, wie sie einzeln und miteinander leben. Auch haben Gespräche mit den Menschen vor Ort und ihre Ansichten über die jeweilige andere Kultur oder Religion und die Situation im Allgemeinen einiges deutlich gemacht. Ich kann beide „Seiten“ sehr gut verstehen und habe großen Respekt vor ihren Lebensweisen und Idealen.
  • Man muss sie aus sich selbst heraus verstehen. Ein großes Thema. Und jede Kultur besteht aus tausend Untergruppen… und jeder Mensch ist noch einmal anders! Es wird einem so klar, dass wir alle im Spannungsfeld zwischen kultureller Prägung und individueller Freiheit uns zu entwickeln versuchen.
  • Schön waren die Initiativen mit den arabischen, jüdischen und christlichen Jugendlichen und zu erleben wie zarte Keime für etwas Neues durch das gemeinsame Spielen und die Begegnungen ermöglicht wurden.

Fiona Petersen

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