Von Harduf nach Jenin – Arbeit in Palästina

von | 2. Mai. 2012 | Rundbrief 15 (2012), Soziale Aktivitäten, Stimmen | 0 Kommentare


Die Aktivitäten von Harry und Ruth Finkbeiner
Viele frühere Israelfahrer kennen unseren Freund Harry als anregenden Gespächspartner, Gastgeber und Helfer in allen möglichen Fragen. Hier schreiben nacheinander er und seine Tochter über ihre jeweiligen Aktivitäten in Palästina.

Harry Finkbeiner

Mein Name ist Harry Finkbeiner, ich lebe seit über 14 Jahren in Harduf. Meine Frau stammt aus Israel, wir haben 3 Kinder. Ursprünglich komme ich aus dem Schwarzwald. Seit dem Beginn der letzten Intifada erlebte ich immer bewusster, wo Ungerechtigkeit und Diskriminierung in Israel herrschen. Das unendliche Blutvergießen auf beiden Seiten zeigte mir die schiere Unlösbarkeit des Konflikts. Schon zu Beginn der Intifada hatte ich mich verschiedenen Friedensgruppen angeschlossen. Es gab Demonstrationen, dann Treffen mit Gesprächen, schweigende Friedensmärsche.
Nach etwa drei Jahren war mir und auch anderen Israelis klar, dass wir auf dem medizinischen Sektor die Palästinenser unterstützen müssen. Wir begannen im östlichen Teil des Ortes Barta‘a, zu dem von Israel aus Zugang für Israelis ist, eine alternative Klinik aufzubauen.
Dort war ich etwa drei Jahre lang fast jede Woche tätig, bis ich vor mehr als fünf Jahren eine besondere Genehmigung von der Armee erteilt bekam nach Jenin zu fahren, um dort zu behandeln.
Mein Gebiet ist die Chiropraktik. Am Anfang habe ich in einem Krankenhaus dort gearbeitet, dann in zwei anderen Orten, nicht weit weg Jenin, dann war ich anderthalb Jahre an der Universität in Jenin. Mein Ziel war es, junge Leute in meiner einfachen Methode der sanften Chiropraktik auszubilden. Jetzt wo ich seit fast zwei Jahren im Frauenverein in Jenin behandle, bin ich diesem Ziel näher gekommen. Es gibt einen jungen Krankenpfleger und eine junge Masseurin, die seit mehr als einem Jahr mit mir behandeln, und die jetzt schon selbstständig die Methode anwenden. Obwohl die Armee mir keine dreimonatige Genehmigung mehr ausstellt, werde ich meine freiwillige Arbeit in Jenin fortsetzen. Dieser Tag in Jenin ist der intensivste aber auch glücklichste Tag in der Woche…

Harry Finkbeiner

Harry Finkbeiner

Ruth Finkbeiner

Harrys Tochter, war 2004 als Teilnehmerin beim „Jona-Lager“ in Hannover dabei. Sie lebt jetzt einen Teil des Jahres in Südamerika. Wenn sie in Israel ist, bemüht sie sich in eigener Weise um Hilfe für Palästina:

Durch den Wunsch den Frieden innerhalb lsraelPalästina zu unterstützen, kam ich zur Entscheidung, auf eine praktische Weise zu handeln, um eine neue Beziehung durch gemeinsame Kunstarbeit herzustellen. ln dem Projekt werden antike, traditionelle Web- und Stickarbeiten erhalten und wiederbelebt. Wir bringen eigene lnspiration gemäß der heutigen Mode ein, während wir darauf achten, nur natürliche Materialien zu benützen (Baumwolle und Leinen). Der Zweck des Projekts hat viel damit zu tun, das Selbstbewusstsein palästinensischer Frauen durch Kunst zu stärken. Nicht weniger wichtig ist die Ermöglichung eines fairen Verdienstes. Der einfache, traditionelle, religiöse Lebensstil der Frauen soll nicht geändert sondern respektiert werden.

Auf mehreren Treffen habe ich jungen palästinensischen Frauen das Weben beigebracht. Es entstand eine Gruppe von einer Familie mit 15 Kindern aus Budrus, (ein Dorf bei Ramallah) und eine Frauengruppe in Jenin. In nächster Zeit soll auch eine Gruppe in Israel entstehen mit arabischen Frauen aus Kfar Manda. Da ich diese spezielle antike Webart beherrsche, war ich als einzige lsraelin anwesend, doch im Laufe der Zeit hoffe ich, dass sich eine gemischt palästinensischisraelische Frauengruppe bildet, in der beide Seiten einander ihre Webkunst lehren und somit eine richtige Kooperative entstehen kann. lch glaube einen Funken wahren Friedens durch solch eine Veranstaltung erwecken zu können, da Frieden im gemeinsamen Handeln und nicht im Diskutieren liegt.

Die große Armut und der Mangel an Arbeit in der Westbank zwingt diese Frauen ihre Kunst unter Umständen zu verkaufen, die moderner Sklaverei ähneln. lch hoffe, durch den Verkauf ihrer Produkte dem Ziel näher kommen zu können, dass der Lohn dieser Frauen sich von ca. 20 Cent mindestens um ein Zehnfaches erhöht!

Damit dieses Projekt weiter wachsen und bestehen kann, bin ich auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Diese deckt nur Material-auslagen und Fahrtkosten, da ich mich ehrenamtlich dem Projekt widme. Für das kommende Jahr bis zum Herbst 2012 brauchen wir eine Summe von 3,900€. Für jede Hilfe bedanken wir uns von ganzem Herzen! Es wäre schön, wenn die Spender mir ihre Emailadressen schicken (über den Verein), damit wir sie über die Entwicklung des Projekts informieren können.

Mit inniger Dankbarkeit und in der Hoffnung auf eine mit Liebe durchzogenen Zukunft,
Ruth Finkbeiner

Ruth Finkbeiner

Spenden kann man über den Verein: Verwendungszweck „Arbeit für Palästina“.

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