Das Israelitische Krankenhaus in der Ellernstr., Hannover

von | 23. Mai. 2007 | Rundbrief 10 (2007), Texte, Themen | 0 Kommentare

Am Samstag, dem 27.1 2007, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde im Gemeindehaus der Michael-Kirche in Hannover ein etwas anders geartetes Jugendprojekt vorgestellt:

Anderthalb Jahre lang hatten Jugendliche aus dem Umfeld des Vereins Tor zur Welt… e.V., der Gemeinde der Christengemeinschaft und der Liberalen Jüdischen Gemeinde daran gearbeitet, die Geschichte des ehemaligen Israelitischen Altersheims und Krankenhauses für ein neues Erleben aufzuarbeiten. Vor allem durch die Suche nach Zeitzeugen, Interviews und Recherchen im Stadtarchiv entstand ein Bild des 1901 gegründeten Hauses, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht und interessante Blicke in die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland – vor allem auch in der Nazi-Zeit – ermöglicht. Am Ende dieser Geschichte steht die Zeit als „Judenhaus“, in dem die jüdischen Hannoveraner gesammelt und zum Transport in die Vernichtungslager im Osten „konzentriert“ wurden. Auch zu den Ereignissen dieser Zeit kamen wir mit Zeitzeugen ins Gespräch, sowohl mit Nachbarn die „nichts bemerkt“ hatten, als auch mit einer Überlebenden des Lagers in Theresienstadt, die als Kind dort interniert gewesen war.

Durch die Arbeit entstand einerseits ein sehr anregender Kurzfilm von Johannes Hüsing und andererseits eine informative Broschüre (68 S., mit Zeitzeugeninterviews, zahlreichen Abbildungen, Ergebnissen der Archivarbeit), die hier zum Download bereit steht. Das Projekt wurde von der Aktion Mensch großzügig gefördert und von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Zweimal waren wir im Lokalradio, einmal mit einem einstündigen Feature über das Projekt. Bei der Vorstellung der Arbeitsergebnisse am 27.1 war der Gemeindesaal so voll, dass ständig neue Stühle herbeigeschleppt werden mussten – nicht etwa nur für Gemeindemitglieder und -freunde sondern vor allem auch für Nachbarn und die vom Thema betroffene „Prominenz“, die Gedenkstellenleiter, Stadtarchivmitarbeiter, Freunde aus dem Umfeld der „Gedenkarbeit“ usw. Nach der Vorstellung fand in der Kirche noch eine sehr ungewöhnliche Andacht mit Lyrik und Musik statt, die den Eindruck einer Sternstunde des Erinnerns abrundete.

Israelitischer Verein für Altersversorgung und Krankenpflege in Hannover. Bild: Stadtarchiv Hannover

Der Verein Tor zur Welt, der den Schwerpunkt seiner Aktivitäten an sich in der Arbeit am Begegnungsprojekt Shaar laAdam – Bab l’ilInsan in Galiläa sieht, war als Träger der Aktion diesmal in ganz anderer Weise am Thema Kulturbegegnung beteiligt: Wie schon anlässlich des deutsch-israelischen Jugendlagers 2003 in Hannover ging es auch um deutsch-jüdische Geschichte, die ein Teil der Geschichte des Landes Israel wurde. Die Beteiligten haben ihre Sensibilität geschärft für das Besondere, das uns als Deutsche mit der jüdischen Kultur verbindet. Außerdem war und ist (denn es geht wohl noch weiter, da neue Informationen ständig auftauchen) das Projekt auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit, mit dem wir Menschen erreichen, die bereit sind, sich für unsere Ziele einzusetzen. Wer noch Orte weiß, an denen die Broschüre ausliegen könnte, oder Menschen kennt, die sie lesen möchte, möge sich bitte an der obigen Adresse melden!

Bei der Arbeit an der Broschüre

Für die Mitarbeiter des Projektes (Johannes Hüsing, Jonathan Haase, Frederike Schuur, Clemens Schuur, Robert Schulz, Christoph-Malte Marx, Theresa Gnatz, Aurelia Lampasiak, Adi Weichselbaum, Georg Konwiser)

Ilse Wellershoff-Schuur

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