Bericht aus Galiläa

von | 2. Apr.. 2003

Ein Jahr Engagement in Harduf: Vereinsgründung, Baugenehmigung, Arabischkurs und Bauwochenenden bringen die Begegnungsstätte sichtbar voran. Mitten zwischen Michaeli-Seminar, Friedenszelt und renoviertem Eisenbahnwaggon wächst Schritt für Schritt ein Ort jüdisch-arabischer Zusammenarbeit.

Im September letzten Jahres bin ich für unser Projekt nach Harduf geflogen. Ursprünglich war der Aufenthalt für ein Jahr geplant. Meine Aufgabe sollte es sein, vor Ort und gemeinsam mit unseren Freunden im Kibbuz Harduf und in Sawa’ed El-Homeira für die im Entstehen begriffene Begegnungsstätte „Sha’ar laAdam – Bab lil’Insan“ zu arbeiten. Dadurch, dass das Projekt im Frühjahr letzten Jahres vom Kibbuz Harduf Land zur Verfügung gestellt bekommen hatte, war nun wirklich Bewegung in die Dinge gekommen. So wurde bereits wenige Tage nach meiner Ankunft ein gelungenes zweitägiges Michaeli-Seminar auf „unserem“ Land im Wald veranstaltet, zu dem viele wichtige Menschen aus der Umgebung gekommen waren.

Auf anderem Gebiet hatte ich gehofft, dass man schon weiter sei. Sowohl die dortige Vereinsgründung als auch das Baugenehmigungsverfahren waren noch nicht in Angriff genommen worden. Dies waren dann auch die beiden Hauptaufgaben, denen ich mich gemeinsam mit unseren Partnern in der ersten Zeit gewidmet habe. So war nach langen Gesprächen über Sinn und Unsinn von Vereinen, israelisches Vereinsrecht und einer intensiven Suche nach den für uns richtigen Formen der offizielle Vereinsgründungsantrag bis Weihnachten eingereicht. Auch das Baugenehmigungsverfahren war bis dahin angelaufen. Durch Spenden an unseren Verein konnten wir uns daran – das auch die Vermessung und Erstellung erster Zeichnungen beinhaltet – finanziell beteiligen.

Seit Oktober trifft sich regelmäßig ein Kreis jüdischer und arabischer Menschen an wechselnden Orten, der aktiv Projekte entwickelt. Als Erstes wurde mit einem Arabischkurs begonnen. Wir sind davon überzeugt, dass das Lernen der arabischen Sprache ein Schlüssel zum Verständnis der arabischen Kultur ist. Außerdem haben wir einige Bauwochenenden veranstaltet, an denen wir auf unserem Land an dem im letzten Sommer von der Gruppe aus Deutschland begonnenen Forum weitergearbeitet haben. Auch einige Schüler aus der Oberstufe der Waldorfschule in Harduf haben wöchentlich an der Stätte mitgearbeitet.

Zu Chanukka und Ramadan haben wir ein kleines Seminar im Friedenszelt in Sawa’ed veranstaltet. Wiederum kamen viele Menschen, auch aus der Umgebung, so zum Beispiel Abu Jabour vom „House of Hope“ in Shfaram.

Im Januar konnte dann ein alter hölzerner Eisenbahnwaggon erworben werden. Er soll – sobald wir die Genehmigung bekommen – unsere erste Basis im Wald werden. Er kann als Büro, Wohnraum und Abstellplatz dienen. In den folgenden Monaten haben wir mit der Renovierung begonnen. Das gesamte Holz wird von innen abgeschliffen und dann mit Öl behandelt, beschädigte Stellen sollen mit neuem Holz ausgebessert und Fenster eingebaut werden. Anschließend geht es wohl an den Bau einer Küchenecke, die Renovierung der bereits vorhandenen Toilette und die Erneuerung der Strominstallation.

Mit dem Ausbruch des Krieges im Irak bin ich dann frühzeitig zurückgeflogen. Zum Sommersemester werde ich mein für den Aufenthalt in Israel unterbrochenes Studium fortsetzen.

Johann Schuur

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