Aus dem Rundbrief vom April 2018

Vom Fortgang der Projekte...

... in der Begegnungsstätte im Wald

Der Mensch denkt, Gott lenkt... Der letzte Sommer hat uns unerwartete Entwicklungen gebracht, die auf den ersten Blick vieles durcheinander gebracht und sogar zerstört haben, die sich im weiteren aber, wie das oft so ist, als positive Fugungen erwiesen...

In Israel (wie auch in allen anderen Mittelmeerländern) geht in den letzten Jahren ja die Furcht vor Waldbränden um, die seit einiger Zeit von Jahr zu Jahr immer größere Schäden anrichten. In Israel sind die Brandschutzbehorden insbesondere gegenüber den omnipräsenten Kiefern-Monokulturwaldern sensibilisiert, und davon ist unser Waldgrundstück natürlich auch betroffen. Die strengen neuen Bestimmungen für Einrichtungen, in denen Menschen wohnen, rückten uns in das Blickfeld der besorgten Behörden. Von einem Tag auf den anderen mussten die Studenten und Freiwilligen ausziehen und provisorische Quartiere, z.B. in der Theaterschule, beziehen. Die Auflagen, die nun in einer Hauruck-Aktion zu erfüllen waren - möglichst vor Beginn des neuen Schuljahres - betrafen das ganze Gelände - der Abstand zwischen den Kiefern und zu den Gebäuden und Wohnzelten musste vergrößert werden. Viele Bäume wurden gefällt. Da wir uns schon immer einen Mischwald gewünscht hatten, wird dies nach und nach durch andere Bäume ausgeglichen werden. Es wurden Hochdruckwasserleitungen und isolierte Stromkabel verlegt auf dem ganzen Gelände sowie Feuer- und Rauchmelder aktiviert. Die Wohnzelte mussten dank der Materialauflagen größtenteils erneuert werden. Für viele Maßnahmen brauchte es schweres Gerät, so dass viele der in vielen Jahren liebevoll erstellten LandArt-Objekte und die in sorgfältiger Handarbeit erstellten Pfade dem Erdboden gleichgemacht wurden. Die Mühe war trotzdem nicht vergebens, denn die Qualitäten der Arbeit leben spürbar weiter! Und außerdem gibt es die Gelegenheit, viel Neues entstehen zu lassen... All diese Maßnahmen haben natürlich sehr viel Geld gekostet. Den größten Teil hat uns der Kibbutz Harduf zur Verfügung gestellt, als zinsloses, unbefristetes Darlehen. Wir sind damit noch stärker in das Interesse der Menschen der Umgebung gerückt, die bemerken, wie sehr Sha’ar laAdam - Bab l'il Insan nicht mehr wegzudenken ist aus dem sozialen Gefüge vor Ort.

An den Bau des Andachtshaus-Standerwerkes mit Dachkonstruktion war also im letzten Herbst nicht mehr zu denken. Dafür ist die Infrastruktur des Hauses jetzt schon viel weiter, als wir geplant hatten (Strom- und Wasseranschlusse), und nebenbei wurde aus dem Rohbau des Schutzraumes/Sakristeigebäudes im Andachtshaus-Ensemble ein bewohnbarer, gut ausgerüsteter Nebenraum, der schon viele Funktionen des Hauses erfüllt. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion durch die GLS-Bank haben wir Geld für den geraumigen Wandschrank gesammelt, den unser Weggefährte Mu’afak, Tischlermeister in Shfa’amr, für uns baute. Das Bad ist ausgebaut, eine kleine offene Teekuche ist gut ausgerustet, und ein besuchender Pfarrer/Kursleiter kann hier schon ganz gut wohnen!

... in der Begegnungsarbeit

Dank unseres Programmes fur junge judische Freiwillige aus aller Welt (TEN - „Gib!“), der Freiwilligen aus Deutschland (in diesem Berichtsjahr zwei Freiwillige von den Freunden der Erziehungskunst) und derjenigen Studenten des anthroposophischen Grundjahres, die im Wald wohnen, sowie der okologischen und kunstlerischen Projekte ist unser Grundstuck durchgehend sehr belebt. Die Freiwilligen arbeiten in der Schule im Beduinen-Ort Ka’abiya, in einer Behinderteneinrichtung in Harduf und auf dem Gelande der Begegnungsstatte selbst. In Ka’abiya tragen sie vor allem zur Motivation der Kinder und zur Verlebendigung des Englischunterrichts bei. Jede TEN-Gruppe bleibt vier Monate bei uns, die Freiwilligen aus Deutschland fur ein Jahr, und die Wirkungen auf alle Beteiligten sind erstaunlich: Die jungen Leute lernen vieles über dieses Land, was ihnen bisher noch niemand erzahlt hat, die arabischen Kinder schnuppern die Luft der großen weiten Welt und lernen, dass Englisch nicht nur ein Schulfach ist - und die Begegnungsstatte wachst und wird immer anerkannter!

Die Theaterbegegnungen mit Schülern sind weiterhin ein fester Teil des Programms. Trotz aller Kollision mit den Prufungsterminen in Israel soll es bald auch wieder ein Projekt mit europaischer Beteiligung geben. Die Auslandsreisen locken die Schüler doch sehr, auch wenn nicht jeder Jahrgang in den Genuss einer solchen Reise kommt.

Dafur waren im letzten Jahr die Studenten der Schule fur Sprache und Theater mit dem Stuck „Murder in the Cathedral“ von T.S. Eliott in Suddeutschland und der Schweiz unterwegs.

Wichtig sind vor allem aber auch die Treffen, die uber die regelmaßigen Aktivitaten hinaus stattfinden - Vor allem zivilgesellschaftliche Aktivitaten für die Gleichstellung aller Bevolkerungsgruppen in Nord-Israel, Arabisch-Unterricht für die Aktivisten, Frauentreffen, Interessengruppen (zum Beispiel eine Krebs-Selbsthilfegruppe für Frauen über die Kulturen hinweg), gemeinsame Feste, Studienarbeit (zur Zeit vor allem an der biologisch-dynamischen Landbauweise)... Auch treffen sich Schulklassen regelmaßig zu gemeinsamer Waldarbeit. Zu Shavuot/Pfingsten gibt es wieder ein Erzähler-Festival über mehrere Tage, zu dem auch viele Familien anreisen und im Wald campen. (IWS)

Im Sawa’ed-Dorf

Das von uns ausgebaute und eingerichtete Gästehaus Helena im Sawa’ed-Dorf El-Homeira wurde in letzter Zeit leider nicht so viel von auswärtigen Gästen genutzt, wie wir es gehofft hatten. Deshalb ist es bis auf weiteres an eine junge jüdisch-israelische Familie vermietet worden, die durch das Leben im Beduinendorf eine wichtige Brücke zwischen den Bevölkerungsgruppen schlägt, und durch die Miete auch ein wenig zu den laufenden Kosten der Begegnungsstätte beiträgt. Deshalb haben wir die Anzeige bei airbnb deaktiviert und bitten um Verständnis dafür, dass Übernachtungen dort bis auf weiteres nicht möglich sind! (IWS)