Aus dem Rundbrief vom März 2019

Vom Fortgang der Projekte...

...am Andachtshaus
Seit dem Rundbrief 2018 wurde auf dem Gelände fleißig weitergebaut und auch das Andachtshaus nähert sich nun immer mehr seiner Vervollständigung.
Nachdem wir in den letzten Jahren von den israelischen Behörden verpflichtet wurden, zunächst den zum Andachtshaus dazugehörigen Schutzraum (den wir auch als „Sakristei“ und Aufbewahrungsraum nutzen) fertig zu stellen, konnte in diesem Jahr das Andachtshaus selbst ein großes Stück weitergebaut werden. Mittlerweile ist der Rohbau fast vollkommen abgeschlossen, das Ständerwerk ist installiert, der Außenputz ist angebracht und das Gebäude schließt nun ein Dach ab, das sich in seiner gewölbten Form wunderschön in die hügelige Landschaft Galiläas einfügt.

Auch der Treppenaufgang zur Seite des Begegnungsgeländes ist nun fertiggestellt. Als nächste Schritte fehlen noch der Innenputz, die Türen sowie provisorische Fenster sowie natürlich mindestens das Material für den Fußboden. Das könnte dann eventuell im Sommer in Eigenleistung verbaut werden, wenn Johann Schuur wie geplant mit einer Jugendbauhütte auch die Wände bemalen wird (siehe Ankündigung Seite13). In einem späteren Stadium geht es dann um die gestalteten Glasfenster, die bereits angefragt sind.
Da die Baukosten auch in Israel oft höher ausfallen als eingeplant, benötigen wir dazu noch Bauspenden in Höhe von etwa 40.000 Euro. Falls es Ihnen noch einmal möglich ist, uns zu unterstützen, wäre dies eine große Hilfe! Denn wenn es uns gelingt die noch ausstehenden Mittel zusammenzubringen, stehen die Aussichten sehr gut, das Andachtshaus zur Friedensübungswoche im Herbst (siehe Ankündigungen Seite 13) in Gebrauch zu nehmen und seinem Zweck zuzuführen, auch wenn sowohl die technische Fertigstellung (Elektro/Sanitär, Lüftung,Klimaanlage) als auch die Gestaltung natürlich noch weiter gehen. Dass so ein Haus niemals ganz fertig wird, ist vielleicht auch Programm? Der Weg ist das Ziel, aber wir kommen ihm immer näher!


...in der Begegnungsstätte insgesamt
Als großer Fortschritt auf dem Gesamtgelände kann nun die Beendigung der sehr aufwändigen Brandschutzvorkehrungen (wir berichten darüber im letzten Rundbrief) verkündet werden. Faiz Sawa ́ed konnte im Januar 2019 in einem vorletzten Schritt die elfte von unglaublichen zwölf Teilprüfungen der behördlichen Brandschutzprüfer erfolgreich abnehmen lassen.

Für das neu entstandene Vorbereitungsseminar sind ein neues Seminargebäude, Räume für die Unterbringung der Teilnehmenden und ein neues Sanitärgebäude auf dem Gelände entstanden.

…ein neues Programm

In Israel ist es üblich, nach der Schule mehrere Monate lang eine Art soziales oder ökologisches/kulturelles Jahr zu absolvieren bevor der obligatorische Militärdienst beginnt – der teilweise und unter bestimmten Bedingungen auch als Zivildienst abgeleistet werden kann. Initiativen für diese Kursangebote werden staatlich gefördert. In Sha’ar laAdam – Bab l’il Insan entschied man sich nach langen Abwägungen, auch ein solches Programm in der Begegnungsstätte aufzubauen. Über die Pläne hatten wir bereits im letzten Rundbrief berichtet. Im September 2018 hat nun eine erste Gruppe von 15 junge Erwachsene, 17 bis 18 Jahre alt und allesamt aus Israel, begonnen, sich in einem 6-Monatskurs auf das Leben außerhalb des Elternhauses und für spätere Rollen in der Gesellschaft vorzubereiten. Im Gegensatz zu den meisten anderen Einrichtungen dieser Art in Israel besteht die Gruppe gemäß der Grundsätze unserer Arbeit aus jüdischen, beduinischen sowie arabischen Jugendlichen, welche nun fünf Tage in der Woche zusammen in Sha’ar laAdam Bab l’il Insan verbringen und dort leben und lernen. Die jüdischen Jugendlichen lernen intensiv umgangssprachliches Arabisch (in den Schulen wird fast ausschließlich Hocharabisch unterrichtet, was stark von der Umgangssprache abweicht), die beduinischen und arabischen Jugendlichen erhalten Hebräischunterricht auf sehr hohem Niveau; daneben gibt es Stunden zu Islam und Judentum und zu Grundfragen der israelischen Gesellschaft und Geschichte, wobei hier das israelische und palästinensische Geschichts-Narrativ gleichsam gelehrt und diskutiert werden. Weitere Inhalte sind Grundlagen des anthroposophischen Lebens, das den Kursteilnehmern ja in in Harduf begegnet, sowie regelmäßiger gemeinsamer Sport. Viele Menschen außerhalb Israels empfinden es überraschend und ungewohnt, wie segregiert die jüdischen und arabischen Gemeinschaften im Normalfall nebeneinander leben – sich zwar mehr oder weniger tolerieren, aber kaum kennen, so dass ein wirkliches Miteinander und Reflexionen der eigenen und anderen Lebenswelten kaum stattfinden können.

Mit dem Vorbereitungskurs ist nun in Sha’ar laAdam – Bab l’il Insan ein weiteres Programm entstanden, in dem Jugendlichen (Jungen und Mädchen!) der verschiedenen Bevölkerungsgruppen – auch wenn sie alle israelische Staatsbürger sind – über einen längeren Zeitraum direkt zusammen leben und lernen und somit ein neues, tiefgreifenderes Verständnis füreinander entwickeln können. Ein Verständnis, das die jungen Erwachsenen dann anschließend für ihren zukünftigen Positionen in der Armee, im Zivildienst und im weiteren Leben mitnehmen und so im Kleinen zu einem wirklichen Miteinander beitragen können, dass im Großen in Israel zu besserem Verständnis der Bevölkerungsgruppen füreinander führen kann.
Die erste Gruppe beendet im März 2019 ihren Aufenthalt in Sha’ar laAdam Bab l’il Insan. Das Fazit ist positiv, wobei in den weiteren Runden die Gruppengröße nun deutlich erhöht werden soll, vermehrt sollen arabische TeilnehmerInnen zur Teilnahme motiviert werden, für die traditionsgemäß ein Leben außerhalb der eigenen Gemeinschaft oft noch ungewohnter und komplizierter ist als für die jüdischen Teilnehmer. Weiterhin soll zukünftig zunehmend auf und in Englisch unterrichtet werden, da Englischkenntnisse bei allen Teilnehmern – jüdischen sowie arabischen – erstaunlicherweise noch viel Entwicklungspotential beinhalteten.
(Anselm Schelcher)

Schild über dem Eingang zur Begegnungsstätte
Aktueller Baustand des Andachtshauses im Februar 2019.
Architektenplan für den westlichen Teil des Areals, Maßstab 1:100
Die neuen Unterkünfte für das Vorbereitungsseminar
Unterricht in der Vorbereitungsgruppe