Middle East Side Story 2013

Schauspielübungen auf der Bühne in der Begegnungsstätte
Aufführung in der Begegnungsstätte

Die Gruppe, die 2012 so erfolgreich „Nathan der Weise“ in der dreisprachigen Version erarbeitet hatte, war einfach nicht zu stoppen: Sie wünschten sich ein Folgeprojekt, bei dem die Teilnehmer vom letzten Jahr sich wiedersehen sollten. Und auch wenn es nicht alle waren, die wieder dabei sein konnten, ist dieses neue Theaterprojekt ein großartiger Erfolg geworden, der eine größere Anzahl von Jugendlichen zusammengeführt hat und ihnen ein unvergessliches Erlebnis bleiben wird.
Unsere Gedanken waren zunächst auf Shakespeares Romeo und Julia in englischer Sprache ausgerichtet gewesen, aber dann kam die Lust an der Musik und der Wunsch nach einem zeitgenössischen Rahmen dazu. Ya‘akov Arnan konnte einen professionellen Schauspieler und Regisseur für die arabische Seite dazugewinnen - und Mahmoud Suboh war es dann, der eine fertige Fassung der West Side Story in Arabisch und Hebräisch kannte, die wir nur noch weiter bearbeiten mussten. Und so wurden aus den Jets und den Sharks die Wuzwuzim und die Tschachtschachim, zwei Gruppen, die in ihrer kulturellen Verschiedenheit so nahosttypisch und doch so abstrakt waren, dass es nicht einfach darum ging, „Juden“ und „Araber“ zu spielen in den beiden Gangs. Die einen - westlich, schlampig, frech, unkonventionell, in Jeans und karierten Hemden, mit Mädchen, die den Jungen im Kampf in nichts nachstehen. Die anderen sehr korrekt und konventionell gekleidet, sehr bunt und modisch, aber etwas übertrieben, mit sehr traditionellen Strukturen und einem eher altmodischen Frauenbild. Und dazwischen Maria und Tony, beide in Doppelbesetzung, einmal Arabisch, einmal Hebräisch sprechend und immer über Kreuz agierend. In beiden Gruppen spielten Juden wie Araber, sprachen jeweils ihre Sprache, auch manchmal die andere, aber immer bunt durcheinander. Wer war hier wer? 
Die deutschen Schauspieler vervollständigten das Bild durch Bemerkungen in den Pausen, in denen das Geschehen „einfror“. Sie waren Teilnehmer einer idealisierten Reisegruppe, mit unterschiedlichem Blick auf das Geschehen in diesem fiktiven Land, das trotz allem Galiläa hieß. Sie wurden so zu Erzählern der Handlung, aber auch in Israel, beim zweiten Teil der Tournee, waren sie den Regisseuren wichtig als Katalysatoren für die Nachdenklichkeiten, die die Handlung beim Zuschauer herausforderte.
Die Musik war nur noch zum kleinsten Teil von Leonard Bernstein. Er hatte die Inspiration zu dem Musical ja 1949 bekommen und wollte es in Israel spielen lassen, zwischen Juden und Arabern, die nun ihre eigene Musik dazustellten. Viele Kompositionen waren von Itay Dalumi, einem der israelischen Schüler, und die künstlerische Gesamtleistung der Jugendlichen gehörte zum Feinsten. An sich verstand das deutschsprachige Publikum fast alles auch ohne erklärende Worte...
Zweiundzwanzig junge Israelis - je etwa zur Hälfte aus der 11. und 12. Klassse der Waldorfschule in Harduf und aus den lokalen Oberschulen in Shfa‘amr und Ka‘abiya waren an dem Stück beteiligt, dazu fünf deutsche Schauspieler und zahlreiche andere Helfer. Die europäischen Aufführungen fanden im Juli in der Waldorfschule in Überlingen, in der Dorfgemeinschaft Lehenhof, in der Waldorfschule Freiburg-Wiehre und in der Christengemeinschaft in Basel statt. Um dies zu ermöglichen, hatten die Israelis diesmal ihre Flüge selbst bezahlt, zahlreiche Freiwillige aus dem Umfeld der Christengemeinschaft in Überlingen und an den Tourneeorten stellten Arbeitskraft und Sachleistungen zur Verfügung, man wohnte gratis bei Gastfamilien - eine große Anstrengung, die sich sehr gelohnt hat! Der Bundesjugendplan griff diesmal nicht: Zum einen hatten wir die Maßnahme nicht früh genug planen können, zum anderen passten wir vorn und hinten nicht in das enge Schema... Anzahl der Teilnehmer, Parität, Dauer, Schweiz-Aufenthalt. Schade, dass dieses großartige Projekt nicht gefördert werden konnte...
Der zweite Teil des Projektes fand dann im Rahmen des „International Youth Camp in the Galilee“ statt, so dass im August/September in Galiläa noch einmal die dreisprachige Version gezeigt werden konnte. Für die deutschen Teilnehmer war das ein großartiges Erlebnis, das noch lange nachklingt.
Die zweisprachigen Aufführungen gehen weiter - in Israel gab es noch mehrere Gelegenheiten, das Stück zu zeigen. Eine Teilnahme an Festivals und Jugendtheater-Wettbewerben ist angedacht...

Eine Rezension findet sich hier:

http://www.erziehungskunst.de/artikel/waldorf-weltweit/die-middle-east-side-story-ein-interkulturelles-musicalprojekt/